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ChatGPT entwickelt sich weiter

von Steuerberaterkammer Niedersachsen
03.06.26

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Nach dem Grundlagentermin im April stand das aktuelle KI-Forum der Steuerberaterkammer Niedersachsen im Zeichen der jüngsten Entwicklungen rund um ChatGPT. Im Mittelpunkt standen die Änderungen der vergangenen zwei Monate und ihre Bedeutung für die praktische Arbeit mit KI-Anwendungen. Deutlich wurde: ChatGPT entwickelt sich zunehmend von einem reinen Antwortsystem zu einer Arbeitsumgebung, in der Dateien, Modelle, Bildgenerierung, wiederkehrende Abläufe und agentenbasierte Funktionen enger zusammenspielen.

Orientierung im Wandel der KI-Tools

Zu Beginn ordnete KI-Trainerin Martha Kiehl den Termin in die laufende Reihe ein. Aufgrund der hohen Entwicklungsgeschwindigkeit im KI-Bereich sollen neben thematischen Vertiefungen auch weiterhin regelmäßige Grundlagentermine angeboten werden. So können neue Teilnehmende leichter einsteigen, während erfahrenere Nutzerinnen und Nutzer die aktuellen Veränderungen besser einordnen können.

Ein Schwerpunkt lag auf den jüngsten Anpassungen in ChatGPT. Dazu gehörten insbesondere die neue Modellauswahl, das Modell 5.5 Instant sowie die veränderte Arbeitsweise moderner KI-Modelle. Die Trainerin machte deutlich, dass sich auch das Prompting weiterentwickelt: Während früher oft sehr kleinteilige Anweisungen sinnvoll waren, können leistungsfähigere Modelle zunehmend stärker zielorientiert eingesetzt werden. Entscheidend bleibt aber, das gewünschte Ergebnis klar zu beschreiben und den Kontext sauber vorzugeben.

Dateien, Modelle und schnelle Antworten

Ein weiterer Themenblock befasste sich mit der neuen Dateien-Bibliothek. Sie ermöglicht es, bereits hochgeladene Dokumente später erneut auszuwählen und in anderen Chats weiterzuverwenden. Für wiederkehrende fachliche Arbeiten kann das eine praktische Erleichterung sein, etwa wenn regelmäßig mit denselben Unterlagen, Arbeitshilfen oder internen Dokumenten gearbeitet wird.

Zugleich wurde erneut betont, dass bei der Nutzung solcher Funktionen datenschutzrechtliche und berufsrechtliche Grenzen unbedingt zu beachten sind. Insbesondere personenbezogene Daten, Mandatsinformationen oder vertrauliche Unterlagen dürfen nicht ohne geeignete rechtliche und technische Grundlage in KI-Systeme eingebracht werden. Gerade im steuerberatenden Umfeld bleibt der Schutz sensibler Informationen deshalb ein zentraler Maßstab für jede KI-Nutzung.

Auch die Funktion „Fast Answers“ wurde vorgestellt. Sie steht für besonders schnelle Antworten, arbeitet jedoch weniger personalisiert als ein normaler Chatverlauf mit individuellen Einstellungen oder Erinnerungen. Damit eignet sie sich eher für einfache, allgemeine Anfragen, nicht aber für komplexe oder kontextabhängige Aufgaben.

Bildgenerierung mit Image 2.0

Ein weiterer Blick galt Image 2.0, dem weiterentwickelten Bildgenerierungsmodell. Die Trainerin erläuterte, dass sich die Qualität KI-generierter Bilder spürbar verbessert hat. Besonders die Darstellung von Texten innerhalb von Bildern ist zuverlässiger geworden. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für Visualisierungen, einfache Grafiken oder kommunikative Darstellungen.

Für den professionellen Einsatz bleibt jedoch wichtig, KI-generierte Bilder sorgfältig zu prüfen. Auch wenn die technische Qualität steigt, müssen Inhalt, Stil, Aussage und mögliche rechtliche Fragen weiterhin redaktionell bewertet werden. Die Bildgenerierung kann damit eine kreative Unterstützung sein, ersetzt aber keine fachliche Kontrolle.

Skills als wiederverwendbare Arbeitsabläufe

Ein größerer Teil des KI-Forums widmete sich den sogenannten Skills. Diese wurden als wiederverwendbare Arbeitsabläufe vorgestellt, die über eine einzelne Prompt-Anfrage hinausgehen. Während ein Prompt meist für eine konkrete Aufgabe formuliert wird, können Skills bestimmte Prozesse wiederholt und strukturierter abbilden.

Anhand verschiedener Anwendungsfelder wurde deutlich, dass Skills vor allem dort interessant werden, wo regelmäßig ähnliche Auswertungen, Zusammenfassungen oder Aufbereitungen benötigt werden. Sie können helfen, Ergebnisse einheitlicher zu gestalten und interne Abläufe effizienter zu organisieren. Dabei ging es unter anderem um die strukturierte Aufbereitung von Besprechungsinhalten sowie um die bessere Vorbereitung von Dokumenten für KI-gestützte Wissenssysteme.

Auch hier blieb die rechtliche Einordnung ein wichtiger Begleiter des Termins. Neben Datenschutz und Berufsgeheimnis wurde auch auf urheberrechtliche Aspekte hingewiesen. Nicht jedes fremde Dokument darf ohne Weiteres in ein KI-System hochgeladen oder verarbeitet werden. Für die Praxis bedeutet das: Technische Möglichkeiten müssen stets mit rechtlichen Vorgaben und internen Richtlinien abgeglichen werden.

Workspace Agents als nächster Entwicklungsschritt

Zum Abschluss gab die Trainerin einen Ausblick auf Workspace Agents. Diese stellen eine Weiterentwicklung der bisherigen Arbeitsabläufe dar und können in geeigneten Umgebungen verschiedene Informationen, Dateien und Funktionen stärker miteinander verbinden. Perspektivisch können solche Agenten wiederkehrende Aufgaben vorbereiten, Informationen bündeln oder bestimmte Arbeitsprozesse begleiten.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass gerade diese Funktionen besondere Anforderungen an Datenschutz, Zugriffsrechte und Organisation stellen. Je stärker KI-Systeme mit Kalendern, Postfächern, Dokumenten oder anderen Anwendungen verbunden werden, desto wichtiger wird eine saubere rechtliche und technische Einbettung. Für Kanzleien und andere berufsrechtlich gebundene Organisationen ist deshalb besondere Zurückhaltung geboten, solange keine geeignete Umgebung und klare Nutzungsregeln bestehen.

Fazit

Das KI-Forum zeigte, wie dynamisch sich ChatGPT und vergleichbare KI-Anwendungen derzeit weiterentwickeln. Neue Modelle, Dateien-Bibliothek, Bildgenerierung, schnelle Antworten, Skills und Workspace Agents verdeutlichen, dass KI zunehmend zu einer integrierten Arbeitsumgebung wird. Für die Praxis ergeben sich daraus viele Chancen, insbesondere bei wiederkehrenden Aufgaben, Wissensorganisation und strukturierter Aufbereitung von Informationen.

Die zentrale Botschaft des Termins war jedoch ebenso klar: Neue Funktionen sollten beobachtet und verstanden werden, aber nicht unkritisch eingesetzt werden. Gerade im steuerberatenden Umfeld müssen Datenschutz, Berufsgeheimnis, Urheberrecht und interne Verantwortlichkeiten stets mitgedacht werden. KI kann Arbeitsprozesse unterstützen und beschleunigen. Sie verlangt aber zugleich ein bewusstes, rechtssicheres und fachlich kontrolliertes Vorgehen.


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